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Unterschätzte Verantwortung: Wenn Ärzte Hoffnung nehmen

Unterschätzte Verantwortung: Wenn Ärzte Hoffnung nehmen

„Das ist halt das Alter“ – eine Aussage, die viele Senioren aus Arztpraxen nur zu gut kennen. Verschleißerscheinungen, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit werden oft als unvermeidlich dargestellt. Doch ist das wirklich so? Neue medizinische Erkenntnisse zeigen, dass der körperliche Abbau im Alter nicht zwangsläufig sein muss. Doch statt Hoffnung und Handlungsempfehlungen geben viele Ärzte unbewusst Resignation mit auf den Weg. Was bedeutet das für die Lebensqualität einer ganzen Generation?

 In der Behandlung von Senioren spielen Ärzte zum Teil (unbewusst) eine unglückliche Rolle. Sie machen Senioren keinen Mut und verleiten sie dazu, körperlichen Abbau und Verschleiß als „altersbedingt” hinzunehmen. Dabei gibt es heute bereits neue medizinische Erkenntnisse, nach denen die Lebensqualität im Alter besser sein könnte – wenn man den Menschen die richtigen Handlungsempfehlungen mitgeben würde.

 Ärzte sind Vertrauenspersonen. Was sie sagen, prägt das Denken und Handeln ihrer Patienten. Wenn körperliche Beschwerden als unausweichlich dargestellt werden, akzeptieren Senioren diese als gegeben – und unternehmen nichts dagegen. Dabei zeigen aktuelle Studien, dass gezielte Bewegung, richtige Ernährung und mentale Aktivität den körperlichen und geistigen Abbau signifikant bremsen können. Es fehlt nicht am Wissen – sondern an der Motivation und den passenden Handlungsempfehlungen.

1. Argument: Unbewusste Einflussnahme durch Autorität und Sprache

Ärzte genießen großes Vertrauen und haben eine starke Autorität. Wenn sie sagen, dass Schmerzen oder Einschränkungen „zum Alter gehören“, übernehmen Patienten diese Sichtweise meist unkritisch. Das führt dazu, dass keine Maßnahmen ergriffen werden und der Abbau weiter voranschreitet. Eine Studie der Harvard Medical School, veröffentlicht im 'Journal of General Internal Medicine', zeigt, dass positive und motivierende Sprache von Ärzten die Heilungschancen um bis zu 30% erhöht. Patienten, die optimistische und ermutigende Aussagen von ihrem Arzt hörten, zeigten signifikant bessere gesundheitliche Ergebnisse als jene, die neutrale oder negative Aussagen erhielten. 

2. Argument: Veraltete Vorstellungen und fehlende Aufklärung über neue Erkenntnisse

Viele Mediziner sind noch in alten Denkmustern verhaftet und vermitteln diese weiter. Sie wissen oft nicht, dass regelmäßige Bewegung auch im hohen Alter Muskelmasse aufbauen und Schmerzen lindern kann. Aktuelle Studien aus der Geriatrie zeigen, dass sogar bei 80-Jährigen gezieltes Training die Mobilität und Lebensqualität verbessern kann. Doch dieses Wissen kommt in den Arztpraxen selten an. Die Konsequenz? Senioren erhalten keine motivierenden Handlungsempfehlungen und glauben, dass körperlicher Abbau unvermeidlich ist. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigt, dass gezieltes Training auch im hohen Alter Muskelmasse aufbauen kann. 

3. Argument: Fehlende Handlungsempfehlungen und Alternativen

Auch wenn Ärzte die Diagnose „altersbedingt“ stellen, bleibt oft offen, was der Patient konkret tun kann. Bewegungsprogramme, Physiotherapie oder eine Ernährungsumstellung werden selten empfohlen. Dabei könnten genau diese Maßnahmen den körperlichen Abbau verlangsamen und die Lebensqualität deutlich steigern. Die Konsequenz? Ohne konkrete Anleitungen fühlen sich Senioren hilflos und nehmen die Beschwerden als unausweichlich hin. Eine Studie der Mayo Clinic zeigt, dass konkrete Bewegungsempfehlungen die Aktivitätsrate bei Senioren um 40% steigern. 

Was muss getan werden?

1. Neues Bewusstsein in der Ärzteschaft schaffen

Ärzte müssen sich ihrer Einflusskraft bewusst werden und ihre Sprache gezielt einsetzen, um Hoffnung und Motivation zu vermitteln. Das bedeutet: Statt „Das ist halt das Alter“ sollten positive Aussagen wie „Mit gezieltem Training können Sie das verbessern“ in den Fokus rücken. 

2. Hausärzte gezielt schulen und auf dem neuesten Stand halten

Hausärzte sind die Hauptansprechpartner für ältere Menschen und behandeln einen Großteil dieser Patienten, ohne auf Geriatrie spezialisiert zu sein. Das führt dazu, dass viele Ärzte auf veraltete Vorstellungen zurückgreifen und neue Erkenntnisse aus der Geriatrie nicht kennen. Es ist daher essentiell, dass Hausärzte regelmäßig über aktuelle Forschungsergebnisse informiert und gezielt geschult werden. Nur so können sie wirksame Handlungsempfehlungen geben und ihre Patienten motivieren, aktiv zu bleiben.

 3. Konkrete Handlungsempfehlungen und Programme für Senioren

Es reicht nicht, auf den körperlichen Abbau hinzuweisen – Ärzte müssen auch konkrete Handlungsempfehlungen geben. Ein inspirierendes Beispiel hierzu wird in Garmisch-Partenkirchen gezeigt. Hier wurde als erster Kurort in Deutschland das “Wandern auf Rezept” eingeführt. Ärzte können dabei Patienten Wanderungen auf zertifizierten Wegen verschreiben, was sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit auswirkt. Diese Initiative fördert nicht nur die Bewegung, sondern auch das Naturerlebnis und das allgemeine Wohlbefinden.

Altersbedingt? Das muss nicht sein. Wenn Ärzte umdenken und gezielt motivieren, kann die Lebensqualität im Alter signifikant gesteigert werden. Es ist Zeit, neue Wege zu gehen – für eine Generation, die aktiver und gesünder alt werden kann. 

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